HERZ & MUND Theaterproduktionen

C(r)ash Europe

Städtische Bühnen Münster - Premiere Mai 2007


       


    

  

Massenhafte Gefühle
Wie fühlt sich eine globalisierte Welt an? In "c(r)ash europe" in Münster entwirft der polnische Dramatiker Tomasz Man eine ökonomisierte Welt der Werte. Eine boulevardeske Inszenierung .
von MARCUS TERMEER, taz NRW
Die Welt ist eins. Warschau, Berlin, Prag, Madrid, Budapest, Paris, London, Vilnius, Amsterdam, Rom. Ständig wechseln Orte und Räume: Zwei Badezimmer, mehrere Wohnzimmer, ein Atelier, ein Fotostudio, ein Keller, ein Garten. Der bunte Reigen ist kein Zufall auf den Städtischen Bühnen Münster. "C(r)ash europe", das neue Stück des
polnischen Dramatikers Tomasz Man, ist angelehnt an Arthur Schnitzlers "Reigen".
Nur schließt sich dieser Reigen am Ende nicht. Die einzelnen Stationen werden per Flugzeug erreicht. Davon erfährt das Publikum aber nur durch die großen Foto-Stills an der Bühnenrückwand. Sie zeigen die ProtagonistInnen allein und verlassen im Flughafen.
"c(r)ash europe" geht der Frage nach, was der Beitritt zur EU für die osteuropäischen Länder bedeutet. Antwort: einen cash crash aus Kapitalismus, Krise und Geschwindigkeit, der jegliche Beziehung der Ökonomisierung unterwirft, bestehende Werte umstürzt.
(...)
Die Foto-Stills sind eine kluge Entscheidung von Regisseur Andre Sebastian, brechen sie doch die oft an Boulevard oder Prime-Time-Fernsehspiele erinnernde Szenen. So agieren die Figuren (Carola von Seckendorff, Carolin M. Wirth, Benjamin Kradolfer, Francisco Medina und Wendelin Starcke-Brauer in Mehrfachrollen) auf einer fast leeren, ebenerdigen Bühne: ein dunkles, gerastertes Quadrat als Boden, zwei Stühle - auch eine Reflexion über die Leere der
Beziehungen. Dazu zeigen die wechselnden Stills diese Figuren in den "realen" Interieurs.
Auch die Boulevard-nahen Plots des polnischen Dramatikers Tomasz Man sind nachvollziehbar. Sie markieren die warenförmige Konventionalisierung der Emotionen zutreffend. (...)